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Robert Wenner-Preis geht an Michele De Palma

30-11-2017 13:21

Ob ein Tumor vom Abwehrsystem des Körpers in Schach gehalten und unschädlich gemacht werden kann – oder ob er vielmehr wächst und Metastasen streut, hängt nicht nur von den Krebszellen selbst, sondern in entscheidendem Mass auch von Zellen in der unmittelbaren Umgebung des Tumors ab. Denn dem Tumor günstig gesinnte Nachbarzellen sorgen mit der Bildung von neuen Blutgefässen etwa für eine ausreichende Versorgung der sich rasch teilenden und entsprechend hungrigen Krebszellen. Die Nachbarzellen sind auch in der Lage, eine so genannte immunsuppressive Zone zu schaffen, in der die Krebszellen vor Angriffen des Abwehrsystems geschützt sind.

Neue Angriffsziele

Dass diese beiden Aspekte – die Blutversorgung und der Schutz vor der Immunantwort – enger miteinander verknüpft sind als bisher angenommen, zeigen die Forschungsresultate des an der École Polytechnique Fédérale in Lausanne tätigen Biologen Michele De Palma. So hat De Palma schon während seiner Doktorarbeit eine neue Klasse von Immunzellen – die so genannten TE-Makrophagen oder TEMs – entdeckt, die aufgrund der Botenstoffe, die sie absondern, die Blutgefässbildung fördern. Weil TEMs gleichzeitig auch immunsuppressiv wirken, gelten sie als wichtige neue Angriffsziele im Kampf gegen Krebs.

Verknüpfung zwischen Bildung von Blutgefässen und Abwehrreaktion

Eine weitere funktionelle Verknüpfung zwischen Blutgefässbildung und Abwehrreaktion hat das Team um De Palma erst kürzlich (*) veröffentlicht. Als die Forschenden in Versuchen an Mäusen die Neubildung von Blutgefässen mit speziellen Antikörpern unterbanden, beobachteten sie, dass dadurch auch mehr Immunzellen in den Tumor einwanderten. Und weil das Ausmass dieser so genannten Infiltration für die Wirksamkeit der neuen Immuntherapeutika – den Immuncheckpoint-Inhibitoren – entscheidend ist, werden nun in klinischen Studien Kombinationen von Wirkstoffen getestet, die einerseits die Bildung von neuen Blutgefässen verhindern und andererseits die Immunzellen aktivieren sollen.

Gleichzeitige Verleihung des Anerkennungspreises

Die Krebsliga Schweiz spricht Michele De Palma für seine herausragenden Forschungsleistungen den mit 100 000 Franken dotierten Robert Wenner-Preis zu. Die Preisverleihung findet heute Abend in Bern statt. Gleichzeitig zeichnet die Krebsliga Schweiz Thomas Hoepli für die Gründung der Stiftung Swiss Bridge aus: Sie verleiht ihm den mit 5000 Franken dotierten Anerkennungspreis für die jahrzehntelange erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich der Forschungsförderung. Dank Hoeplis unermüdlichem Wirken hat sich der Swiss-Bridge-Award als Förderinstrument von kompetitiver Krebsforschung auf europäischem Niveau bestens etabliert.

 

(*) Schmittnaegel M, Rigamonti N, Kadioglu E, Cassará A, Wyser Rmili C, Kiialainen A, Kienast Y, Mueller HJ, Ooi CH, Laoui D, De Palma M. Dual angiopoietin-2 and VEGFA inhibition elicits antitumor immunity that is enhanced by PD-1 checkpoint blockade. Sci Transl Med. 2017;9. pii: eaak9670.

 

 

Robert Wenner, ein 1979 verstorbener Basler Gynäkologe, stiftete den gleichnamigen Preis zur Förderung herausragender Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Bereich der Krebsforschung. Die Krebsliga verleiht den Robert Wenner-Preis seit 1983 in jährlichem bis zweijährlichem Abstand. Die Preisträger im Alter von unter 45 Jahren erhalten 100 000 Franken, 80 000 Franken als Beitrag an ein laufendes Forschungsprojekt und 20 000 Franken zur freien Verfügung.

Dr. Ori Schipper
Kommunikationsbeauftragter

Krebsliga Schweiz
Effingerstrasse 40
Postfach
CH-3001 Bern
Tel.: +41 31 389 93 31
E-Mail: ori.schipper@krebsliga.ch

 

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